Toller Titel, oder?
Wie wärs mit "Klimakatastrophe: Temperaturen wieder stark verbessert"? Oder "Opferzahlen im Nahen Osten endlich aus dem Keller"?
Na da wünschen wir wohl alle weiterhin gute Besserung.
Dieser Artikel in der "Hannoverschen Allgemeinen" soll als Anlass für eine kurze Überlegung dienen, wie es denn überhaupt nach einem Ölpreis von 140 Dollar zum Darniederliegen (40 Dollar, schluchz) kam.
Angenommen, ich gehe zur Tankstelle und kaufe 200 l Benzin zum Preis von, sagen wir 1 Euro. Dann stelle ich mich hin und versuche, meine 200 l für 1,50 Euro, oder noch besser 2 Euro, loszuwerden.
Klappt nicht? Logisch, keiner kauft das teure Benzin.
Ich versuche es mit 2.000 l. Klappt aber immer noch nicht, keiner kauft.
Trotzdem funktioniert es genau so: Wenn ich nämlich 20.000 l kaufe, brauche ich das nur an ausreichend vielen Tankstellen (z.B. 50) tun, dann wird das billige Benzin knapp und den Leuten bleibt gar nichts übrig, als meinen teuren Sprit zu kaufen.
Habe ich denn genug Geld, um an allen Tankstellen das Benzin wegzukaufen? Ganz einfach, man braucht dazu gar kein Geld. Man borgt sich einfach morgens eine Million (reicht für 50 Tankstellen) und gibt die abends wieder zurück. Selbst bei einem irren Jahreszinz von 100% kostet das für einen Tag nicht mal 3.000 Euro.
Und damit ich nicht soviel Arbeit mit dem stinkigen Benzin habe, lasse ich es am besten nach dem Kauf gleich dort, wo es ist, nämlich in den Tankstellen. Dann haben die 2 Euro Käufer es auch viel leichter. Jede Tankstelle kriegt noch mal 'n Tausender extra, damit sie es für mich verkaufen. Wohlgemerkt haben sie den "normalen" Kaufpreis ja schon bekommen, der Tausender ist wirklich extra - die werden mich lieben.
Abends habe ich 2 Millionen eingenommen, abzüglich dem Einkaufspreis (1 Million), der Tangstellengebühr (50.000 Euro) und den Zinsen (3.000 Euro) habe ich 947.000 Euro verdient. Nicht schlecht für einen Tag telefonieren. Oder dachte jemand, ich latsche zu den Tankstellen hin? Da wird doch mein Anzug dreckig.
Das ist natürlich nur so eine Überlegung. Und außerdem wäre sowas illegal.
Jedenfalls wäre es illegal, wenn es sich um Liter handelt, bei Barreln sieht das schon ganz anders aus.
Hunderte angestellte 23jährige ("das Finanzsystem") in Rotterdam, London oder New York durften, den richtigen Anzug vorausgesetzt, genau das mit dem Öl und damit mit dem Benzin machen. Geld borgen, Öl bzw. Öl-Derivate kaufen bis es knapp wird, dann teuer weiter verkaufen, Geld zurückzahlen, Villa kaufen. Dafür wurden die Jungs bejubelt und gelobt, das Finanzsystem funktionierte, der Kapitalismus hatte gesiegt und der Ölpreis stieg.
Dann platzte in Amerika ein Kaugummi und plötzlich war das Geld weg.
Siehe oben, wenn ich mir morgens keine Million borgen kann, kann ich auch nicht das ganze Öl wegkaufen und aus meinem tollen Geschäft wird nix. Und das Benzin kostet einfach weiterhin 1 Euro.
Aber jetzt retten wir die Banken, denn wir brauchen ein funktionierendes Finanzsystem.
Und dem Ölpreis geht's auch schon wieder etwas besser.
Foto: Marit Peters/Pixelio
Kommentare
Nicht schlecht
... diese Zusammenfassung. Ich habe Sie abonniert, lieber Herr Scharfbitter.
Guten Rutsch!
PP