Anfang Februar prallten im Atlantik zwei Atom-U-Boote, die "Le Triomphant" aus Frankreich und die "HMS Vanguard" aus Großbritannien zusammen. Beide U-Boote wurden beschädigt, die "Vanguard" musste in den Heimathafen geschleppt werden.
Man kann dies und viele Hintergrundinfos, passenderweise z.B. über ein gaanz großes böses russisches U-Boot, im letzten Papier-Spiegel nachlesen (vielen Dank hiermit für die passende Überschrift).
Das, was man aber aus welchen Gründen auch immer im Spiegel überraschenderweise nicht für erwähnenswert hielt, ergänze ich hier noch einmal:
Siehe auch scharfbitter.de: Zur falschen Zeit am falschen Ort zum selben Thema.
Nach dem Unfall meldete das französische Verteidigungsministerium, dass die "Le Triomphant" von, so wörtlich, einem "getauchten Objekt (möglicherweise ein Container)" gerammt wurde. Die Briten behaupten dagegen, von der "Triomphant" gerammt worden zu sein. Das brachte dann auch die Franzosen dazu, den Vorfall korrekt einzuordnen: Sowas könne schon mal passieren, schließlich seien die Boote, laut Verteidigungsminister Herve Morin, "leiser als eine Krabbe".
O, wie sprachlich wertvoll: «moins de bruit qu'une crevette»
Ich meine, es ist schwer vorstellbar, dass man ein 150 Meter langes Objekt mit 16.000 Tonnen Wasserverdrängung mit modernem Radar nicht bemerkt, wenn es in rammtaugliche Nähe kommt. Glauben muss man es wohl, schließlich ist es tatsächlich passiert.
Nicht nur schwer vorstellbar, sondern gänzlich unfassbar, scheint mir die auf den Rumms folgende Verwechslung: Man hält das 150 Meter lange "getauchte Objekt" mit 16.000 Tonnen Wassserverdrängung für, so wörtlich, "möglicherweise einen Container".
Was passiert eigentlich, wenn vor so einem U-Boot mal ein gaaanz leiser Berg auftaucht? Halten die den dann für ein unbesetztes Klohäuschen?
Und warum hält der Spiegel diese haarsträubende Aussage des Verteidigungsministeriums nicht einmal für erwähnenswert?
Schließlich gibt es nur ein paar Möglichkeiten, wie es zu so einer Fehlinformation kommen kann:
Die U-Bootfahrer haben ihr Ministerium falsch informiert. Vielleicht hofften sie, die Briten würden es genauso halten.
Oder die U-Bootfahrer haben ihr Ministerium richtig, aber zurückhaltend, informiert ("ein getauchtes Objekt"), aber dort hat keiner die Tragweite verstanden (naja, was solls, "möglicherweise ein Container").
Oder die U-Bootfahrer haben ihr Ministerium richtig informiert und dort wurde beschlossen, das Volk einfach anzulügen. Vielleicht hofften die Ministerialen, die Briten würden es genauso halten.
Jede der drei Varianten ist mehr als bedenklich: Ob das Ministerium die U-Boote nicht unter Kontrolle hat, oder mit unfähigen Leuten besetzt ist, oder mit Lügnern, in jedem Fall müsste man sich fragen, ob die dort wirklich verantwortungsvoll mit Atom-U-Booten und strategischen Nuklearwaffen umgehen können.
Und das ist der nukleare Alptraum. Kam aber, wie gesagt, im Spiegelartikel dieses Namens gar nicht vor.
Wikipedia: "Strategische Kernwaffen sind Kernwaffen mit großer Sprengkraft, die nicht auf dem Gefechtsfeld eingesetzt werden, sondern Ziele im gegnerischen Hinterland zerstören sollen, wie z. B. ganze Städte oder Raketensilos von Interkontinentalraketen."
Diese Atomraketen sollen in der Phantasie der Militärstrategen dazu dienen, einen Erstschlag des Feindes abzuschrecken. Da die U-Boote nicht aufzuspüren sind (wie wir wissen, nicht einmal aus nächster Nähe), können sie, im Gegensatz zu landgestützten strategischen Kernwaffen, bei einem Erstschlag nicht vernichtet werden. Ungeachtet der Tatsache dass das Erstschlagopfer über keine Bevölkerung und kein Land mehr verfügt, wäre also in der Lage, den FEIND ebenfalls noch zu vernichten, sozusagen post mortem. Was dann als nächster Schritt geplant ist, wissen wir nicht genau.
Vielen Dank, liebe Militärstrategen.
Nur zur Erbauung: Liste von U-Boot-Unglücken seit 1945, darunter auch von Atom-U-Booten mit Nuklearraketen.